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Fachbeitrag von Burkhard Püttmann

Durch rechtzeitige Orthesen-Versorgung:
Morbus Blount mit konservativer Therapie verhindern

Wenn die mediale Wachstumsfuge des Schienbeins zerstört ist, wird aus einer asymptomatischen Tibia vara des Kleinkindes die Blount-Krankheit, die zu einem dauerhaften o-förmigen Wachstum der Schienbeine führt. Bleibt ein Blount unbehandelt, drohen Kniedeformitäten und schwere Bewegungseinschränkungen.
Dieses Krankheitsbild ist nur schwer zu therapieren, benötigt viele Operationen und führt dabei trotzdem nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. In einer Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Essen sind wir vor die Aufgabe gestellt worden, eine konservative Therapie zu entwickeln, die vermeidet, dass aus einem O-Bein überhaupt ein Blount entsteht. Ein Fallbeispiel demonstriert, wie das durch eine rechtzeitige Orthesen-Versorgung gelingt.

Kind A kam im Alter von zwei Jahren mit ausgeprägten O-Beinen in unser Sanitätshaus. Hier hätte sich mit Sicherheit ein Blount mit entsprechenden Kniedeformitäten entwickelt. Im Röntgenbild sind bereits typische zipfelige Ausziehungen der medialen Kondylen des Tibiakopfes sichtbar.

Wir haben sofort eine Versorgung mit individuell angefertigten Orthesen begonnen. Diese Schienen müssen sehr rigide sein, da außer der Verbiegung ins O auch eine Innenrotation zu korrigieren ist. Beste Ergebnisse lassen sich mit einer Konstruktion in Carbonfasertechnik erzielen. Nach Möglichkeit beginnen wir mit einer leichten Korrektur, um Druckstellen zu vermeiden und von Beginn an die Akzeptanz für die Orthesen zu erhöhen. Bereits nach drei Monaten zeigt das Röntgenbild von Kind A erste Verbesserungen.

In aller Regel versorgen wir die Kinder mit Tagesschienen, die unter Belastung getragen werden können. Da sich durch die Orthesen auch das Gangbild der Kinder verbessert und die durch das O-Bein induzierte Instabilität kompensiert wird, akzeptieren sie die Schienen recht gut. Je nach Ausgangslage müssen die Orthesen über Monate oder Jahre getragen werden. Deshalb konstruieren wir sie so, dass sie verlängert und an das Wachstum der Kinder angepasst werden können.

Bei Kind A stellen sich über die Jahre kontinuierliche Verbesserungen unter der Orthesen-Versorgung ein, das Knie entwickelt sich unauffällig. Mit neun Jahren ist das Kind erfolgreich austherapiert und wird vermutlich ohne Spätschäden bleiben.

Dieser Beitrag unseres Geschäftsführers Burkhard Püttmann ist ursprünglich in der Fachzeitschrift MTDialog (Ausgabe 9/2019) erschienen.

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